Prototypen statt Tütensuppen

In der letzten Woche war ich auf der Xmess, der „Konferenz zur nächsten Gesellschaft“. Dort ging es um die Frage, wie es mit unseren Organisationen nach der Massenverbreitung der neuen Kommunikationsmedien weiter geht. Der Hamburger Kollege Bernd Oestereich hat seine Sicht in einem sehenswerten Video Blog zusammengestellt (einen Interviepartner darin kennen sie ja :-)).

In einem Programm-Mix ging es einerseits um die theoretische Fundierung des Umganges in einer vernetzenden Gesellschaft und andererseits um die Erforschung von Prototypen, d.h. Praxisbeispielen erfolgreicher Navigation in komplexen und unsicheren Umgebungen.

Meine Highlights aus dem umfangreichen Programm waren

  • die Keynote von Günter Dueck, in dessen Vita sich folgende Selbstbeschreibung findet: „bis zum August 2011 war er Chief Technology Officer (CTO) der IBM Deutschland. Seitdem hat es ihn wegen Erreichens der 60-Jahre-Marke in den Unruhestand gezogen, er ist derzeit freischaffend als Schriftsteller, Business-Angel und Speaker tätig und widmet sich weiterhin unverdrossen der Weltverbesserung.“Dueck definierte das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem und warf einen sehr inspirierenden Blick auf das Ende der Dienstleistungsgesellschaft heutiger Prägung, der er Tütensuppenniveau assistierte. Wissen & Expertise wird nicht mehr wichtig sein, denn „Reisebüros braucht niemand mehr, wenn die auch nur im Computer suchen- das kann google schneller“.
    Es ist nicht möglich, alle Ideen nachzuerzählen, die Günter Dueck vorgestellt hat; dazu lohnt sich das Ansehen des Vortrages von ihm.
  • Prof. Larry Leiffer und Prof. Geesche Joost, die einen sehr praktischen Einblick in die Techniken, Chancen und Grenzen des „design thinking“ gaben (der link führt zu den Vorträgen). Sie machten deutlich, dass es keine Vorgehensmodelle für das „Lernen für den Umgang mit Neuem“ gibt.
    Jeder Weg muss also neu erkundet werden -oder um es mit Larry Leifer zu sagen: das Jagen muss neu erlernt werden- und dabei helfen klare Verhaltensregeln:
    – Das Ausgangsproblem verstehen, Frage formulieren
    – Das Marktumfeld erkunden, Betroffene befragen und beobachten.
    – Sichtweisen und idealtypische Nutzer/Kunden definieren
    – Brainstorming in heterogenen Gruppen machen, Ideen finden
    – Prototypen entwickeln
    – Lösung testen

Die Wirkung dieser Haltung konnte ich bei der Feldforschung im Telekom Creation Center gut beobachten. Es kommt darauf an, wie ein Designer zu denken: schon in frühen Phasen Entwürfe machen, sich tatsächlich dort umsehen, wo das Problem auftritt, Prototypen bauen und testen, testen, testen…

Besonders für die Gestaltung von Veränderungsprozessen, Strategieentwicklung und scheint mir Design Thinking eine wunderbare Quelle zu sein. Ich werde wirksame Elemente in meine Arbeit einbauen und vielleicht werden sie diese in unserem nächsten gemeinsamen Workshop ja schon selbst erleben.

  • Mein Freund und Netzwerkpartner Jan Poczynek stellte zusammen mit der Kundin Eva Norton von der Microsoft Schweiz ein praktisches Beispiel der modernen Organisation vor. Ihr Workshop World of Work zeigte, wie ein physisches Change Projekt als Umbau am laufenden Motor sinnvoll organisiert wird.

9 Gedanken zu “Prototypen statt Tütensuppen

Schreibe einen Kommentar