Gesetzmäßigkeiten der Kommunikation

hitzige Diskussion

 

…nennen Klaus Doppler und Christoph Lauterburg einen kurzen Abschnitt in Ihrem Klassiker „Change Management„. Ich habe daraus 9 Punkte für wirksame Kommunikation formuliert, die sich zu kennen lohnt. Damit ihre Führung wirksam ist!

 

  1. Kommunikation als Zwilling des Projektes
    Es gibt kein erfolgreiches Projekt ohne eine aktive, lebendige und geplante Kommunikationspolitik.
  2. Effiziente Kommunikation lebt vom lebendigen Dialog
    Je motivierender eine Botschaft sein soll, je mehr die wirklichen Interessen der Empfänger berührt sein sollen, d.h. je emotional aufgeladener eine Situation ist, desto notwendiger ist ein echter Dialog. Nur im echten, d.h. durch aktives Zuhören und wahrhaftiges Aussprechen gekennzeichneten, Dialog klären sich Interessen, Ziele, Hoffungen und Befürchtungen. Je mehr wir uns in der Praxis vor einer direkten Begegnung und Auseinandersetzung fürchten, desto eher ist sie angesagt.
  3. Man kann nicht nicht kommunizieren (P. Watzlawik)
    Führen heißt, sagen was ist! Lücken in der Kommunikation, Schweigen, einseitige Stellungnahmen, für die kein Platz zur Diskussion eingeräumt wird, werden von den Empfängern mit eigenen Phantasien und Interpretationen aufgefüllt, d.h. gemäß den eigenen (Vor-)urteilen aufgefüllt.
    Nur wer selbst aktiv kommuniziert, kann dafür sorgen, dass er seine Botschaft anbringt!
  4. Es ist fast immer zu spät
    Wer im üblichen Projektchaos immer vollständig und schön der Reihe nach kommunizieren will, kommt im Strudel der Ereignisse fast immer zu spät. Meist ist es deshalb besser, unvollständig, aber zügig zu kommunizieren. Aber das Unwohlsein wird bleiben: früh, aber unvollständig oder spät aber dafür vollständig….
  5. Jeder hört, was er hören will
    Je emotionaler die Situation, desto größer ist die Gefahr der selektiven Wahrnehmung. Dies geschieht meist unter dem Einfluss von zwei Faktoren: Glaubwürdigkeit des Senders und Vorerfahrungen des Empfängers; an der einen Seite haben sie direkten Einfluss….
  6. Erfolgreiche Kommunikatoren erkunden vorher
    Gut kommuniziert nur, wer vorher erkundet, wie der Adressatenkreis eingestellt ist. Nur so kann die Kommunikation ausgerichtet und so verpackt werden, dass die Botschaft ankommt. Denn der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!
  7. Es gibt keine neutrale Kommunikation
    Jede Kommunikation will etwas erreichen! Je genauer inszeniert, desto stärker ist die Absicht; also seien sie auf der Hut, wenn jemand den Versuch der Beeinflussung in Abrede stellt oder verschleiert…
  8. Es gibt auch des Guten zuviel
    Manchmal ist es notwendig, eine besonders wichtige Botschaft mehrmals und auf unterschiedlichen Wegen auf die Reise zu schicken. Aber Vorsicht vor Stereotypen; die Menschen reagieren gereizt auf Wiederholungen und sind danach nur schwer zugänglich!
  9. Der Appetit kommt beim Essen
    Nur informierte Mitarbeiter sind engagierte Mitarbeiter. Mit zunehmender Intensität steigt aber auch das Anforderungsniveau an den Sender, noch etwas „Neues“ zu bieten. Oder anders: wer informiert ist, ist eher unruhig, weil er Entscheidungen erwartet…

5 Gedanken zu “Gesetzmäßigkeiten der Kommunikation

  1. Lieber Olaf,
    wie immer einsichtsvolle Themen. Danke.

    Von G. Schmidt habe ich eine bemerkenswerte Abwandlung von Watzlawik, die den gleichen Inhalt anders ausdrückt:
    „Man kann nicht nicht kommuniziert WERDEN“.

    Die Interpretation einer Nachricht ist eine aktive und schöperische Leistung ist: Wer ein Drama möchte, wird eher auch ein Drama erleben… Wer die Perlen im Leben sucht, wird diese eher finden…

  2. Interessante Punkte, danke für die Zusammenstellung. Es ist etwas einschüchternt, dass offenbar so viel beachtet werden muss, bei einem Vorgang, der uns einer der natürlichsten überhaupt ist – Kommunikation. Watzlawick sagt auch, Kommunikation sei ein fortgesetztes Missverständnis. Um noch einem oberflächlichen Missverständnis vorzubeugen: Soll es tatsächlich „Es gibt auch den Guten zuviel“ heißen und nicht „des Guten“?

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