Sinn führt

Das intrinsische Motivation wirksamer, anhaltender und robuster ist als die extrinsische, die nur ein Strohfeuer entfacht, ist bereits eine Binsenweisheit. Weniger bekannt ist allerdings, wie diese instrinsische Motivation im Führungsalltag eine wirksame Rolle spielen kann.

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Evelin Kroschel verdanken wir eine übersichtliche und gleichzeitig vielschichtige Darstellung der Prozesse, die Menschen zu bestimmten Handlungen antreiben. Ihr Motivrad visualisiert all die Bedürfnisse und Antreiber, die menschliches Verhalten auslösen oder (ver-)hindern.

Die Anordnung der Motive folgt dem polaren Prinzip, d.h. die Motive, die sich inhaltlich gegenüber stehen, sind auch so im Rad dargestellt.

 

Als Führungskraft hilft mir die Beschäftigung mit der Vielfältigkeit menschlicher Bedürfnisse,

  • meine eigenen Motive besser zu verstehen, um vorher unbewusstes dann zu bewusstem Verhalten zu machen.
    So gelingt es mir z.B. besser, mein “Faible” für Berichte und Controlling Tools im Team authentisch zu vertreten, wenn ich meinen Wert Sicherheit und Beständigkeit “entdeckt” habe.
  • das Verhalten der Mitarbeiter achtsamer zu beobachten und nachzuvollziehen.
    Ich kann dann z.B. gelassener mit der “chaotischen” Terminplanung einer Person mit einem ausgeprägten Lebensfreude/ Genuss Motiv umgehen.
  • den einzelnen Teammitgliedern individueller zu begegnen und sie sinnvoller anzusprechen.

Auch bei der Zusammensetzung eines (Projekt-)teams bietet das Motivrad wertvolle Einsichten.
So bitten ich z.B. zu Beginn eines Projektes alle Teammitglieder um ihre verdeckte Selbsteinschätzung ihrer 2-4 Hauptmotive. Danach folgt eine Runde offener “Spekulation” der Kolleginnen und Kollegen. So kommt das Team über das, was jedem wichtig ist, schnell ins Gespräch und der für die produktive Gruppenarbeit notwendige Abgleich von Selbst- und Fremdbild in Gang.

Wenn es im Team einmal nicht so gut läuft und Phänomene wie Frust, Blockade, Aggression, Schweigen und Wegbleiben zu beobachten sind, öffnet die Frage nach den zu kurz gekommenen Motiven oft einen Lösungsweg.

Durch Viktor Frankls Forschung wissen wir, dass das Erleben von Sinn, eine zentrale Motivationsquelle ist.

Dabei kommt es vor allem auf zwei Aspekte an:

  • Sinn kann nicht von anderen vorgegeben oder gar verordnet werden,
  • sinnvolles Handeln entsteht aus dem individuellen Bestreben, bestimmte persönlich wichtige Werte zu verwirklichen.

Als Führungskraft  könnten sie zukünftig das Ziel einer Aufgabe so beschreiben, dass der Mitarbeiter es in eigener Entscheidung für sich akzeptieren kann. Zudem sollten sie es so kommunizieren, dass der Mitarbeiter in der Aufgabe einen Sinn entdecken kann – und zwar ohne, dass er von außen, also von ihnen, dazu aufgefordert wird. Konkret gelingt ihnen das, wenn sie bei Gesprächen wenig reden, viel fragen und aktiv zuhören.

Der folgende Fragenkatalog hilft ihnen, jemand das richtige Aufgabenpaket anzuvertrauen – eine Aufgabe, die er motiviert anpacken wird:

  • Stehen die Anforderungen der Aufgabe und die Fähigkeiten der Mitarbeiter miteinander in Einklang? Droht eine Über- oder Unterforderung?
  • Kann der Mitarbeiter möglichst das tun, was er am besten kann?
  • Wird er voraussichtlich die Aufgabe für sinnvoll halten?
  • Wird er die Aufgabe zu der seinen machen und sieht er sie als Chance zu lernen?

Damit kein Missverständnis entsteht: Es geht nicht darum, dass ein Mitarbeiter sich nur die Aufgaben aussucht, die ihm Spaß machen – vielmehr kommt es darauf an, dass er die ihm übertragene Aufgabe als sinnvoll erlebt.

Es gibt genug Tätigkeiten, die zwar ungeliebt, aber dennoch notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Beispiele hierfür sind die technische Dokumentation oder ein Projektabschlussbericht. Teammitglieder akzeptieren in der Regel, dass sie «nur» ein Rädchen im Uhrwerk des Gesamten sind. Innerhalb von Arbeitsteilung tätig zu sein, ist eine Grunderfahrung von Mitarbeitern, auf der eine Führungskraft ohne Weiteres aufbauen kann. Wichtig ist nur: Jeder Mitarbeiter möchte wissen, welches Rädchen er dreht und wie sich dieses Rädchen mit allen anderen zum Großen und Ganzen zusammenfügt – Führung mit Sinn und Zusammenhang!

Möchten sie die Grundlagen dafür legen, dass die Motivation hoch bleibt und Demotivatoren schnell besprechbar sind? Schicken sie mir eine kurze Mail unter lotse@hinz-wirkt.de

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