von der Wirkungslosigkeit der Strategieberatung

Die bekannte Beratungsfirma Boston Consulting Group hat eine neue Studie veröffentlicht – „Organisation 2015“. Interessant daran ist nicht das Ergebnis, weil nicht überraschend:
„Der Weg zur Organisation der Zukunft wird von einer durchdachten Kombination aus harten und weichen Maßnahmen im Rahmen einer Change Agenda geprägt sein. Nur so kann es gelingen, das Unternehmen frühzeitig auf die strategischen Allianzen der kommenden Jahre vorzubereiten und eine solide Grundlage für dauerhafte Wertschaffung zu sichern“. Interessant ist, dass dies eine der großen Beratungsgesellschaften ermittelt, die ihre Kunden doch täglich in solchen Prozessen voran bringen wollte…

Mich amüsiert das, denn erstens braucht es für die Erkenntnis „Stattdessen müssen Organisationen weiche Kompetenzen ausbauen, um auch jenseits von formalisierten Strukturen und Abläufen handlungsfähig und innovativ zu sein.“ keine Studie, sie ist seit über 40 Jahren bekannt; und zweitens muss den Unternehmen eigentlich auffallen, wie wirkungslos tradierte Strategieberatung ist!

Da lohnt sich ein Blick in die Realität. Fast immer wenn es Unternehmen mit neuen Themen zu tun haben, rufen sie externe „Experten“. Die übliche Methode ist dann die Beauftragung einer renommierten Beratungsfirma. Dann erscheinen sie, die wissenden Helden, genannt Strategieberater. Wenn es eng wird, werden die Experten für die Zukunft geholt.

Dann wird wieder deutlich, das der Satz „unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“ nicht für die Entwicklung von Innovation und für Strategieprozesse gemeint war, sondern nur, wenn die Ergebnisse gegen die Widerstände später durchgekämpft werden sollen.
Es wird ein -meist nur wenigen bekanntes- Projekt gestartet, in dem die „Lage analysiert“ und Veränderungen vorgeschlagen werden: „Best Practice“, „benchmark“ und „key performance indicator“ sind dann die vorherrschenden Begriffe der Expertenberater. Powerpoint Schlachten bestimmen das Feld, beeindrucken das Management und irritieren die Mannschaft.
Eines wird auf jeden Fall erreicht – die Unsicherheit wird reduziert, weil objektive und bewährte Methoden des bekannten Beratungsunternehmens am Werk sind.
Gerade erst kürzlich sagte mir wieder ein CEO in diesem Zusammenhang: „Das, was wir jetzt machen, hat Mc Kinsey entwickelt!“… und damit war alles gesagt. Wenn es von denen ist, dann ist es richtig, wird so gemacht und hat Erfolg. Ein attraktives Modell, wenn das Management seine Unsicherheit und die Komplexität reduzieren will.

Meine These ist: Wenn sich wirklich etwas ändern soll, dann muss ein externer Berater die Komplexität erhöhen und echte Beteiligung anbieten. Ich nutze in der Beratung da lieber einen Strategieprozess, der in einem klaren Aushandlungsprozess mit den internen Ressourcen der Organisation arbeitet und Unsicherheit bewusst in das „Setting“ einbaut. Prof. Rudolf Wimmer, bei dem ich diesen Ansatz kennen gelernt habe, schildert hier ein Beispiel.

 

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