Wie nah ist ihre Organisation am Burn Out?

Burn out hätte auch das Wort des Jahres 2011 werden können – jedenfalls wenn nur die einschlägige Wirtschaftspresse und Management Literatur ausgewertet worden wäre. 117.000.000 Einträge auf die Anfrage nach „burn out“ im deutschsprachigen Google Verzeichnis sprechen da Bände und lassen schon vermuten, dass auf der Welle viele mitsurfen wollen. Da gibt es „Natur Nervennahrung“ und ein deutsches Fakten, Fakten, Fakten Magazin bietet gar einen „burn out“ Test online.…

„Burn out“ eine sehr ernste Sache: Er wird lt. wikipedia in der „Internationalen Klassifikation der Erkrankungen“ als „Ausgebranntsein“ und „Zustand der totalen Erschöpfung“ erfasst. Da braucht es wirksame ärztliche und therapeutische Behandlung. Dies ist auch der Grund, warum ich mit Stirnrunzeln verfolge, wenn „Coaches“ sich dieses Thema ebenfalls auf die Marketing Fahnen schreiben.

In der „burn out“ Prävention hat Beratung & Coaching allerdings sehr wohl eine Aufgabe! Denn gute Führung und wirksames Management tragen erheblich dazu bei, wie es dem Team/ meinem Mitarbeiter geht.
Allerdings – und das ist ein weit verbreitetes Missverständnis – ist „burn out“ Prävention weniger eine Frage des zu korrigierenden persönlichen Verhaltens am Arbeitsplatz, sondern in erster Linie an die Organisation/ das Unternehmen. Der klare Beratungsgrundsatz „Struktur kommt vor Psyche“ gilt und daher sollten Unternehmen, die sich dem burn out Thema widmen: [Vorsicht Provokation]

  • zunächst schauen, ob die Anforderungen an die beruflichen Rollen stimmig und realistisch sind, statt kostenlose Check-Up`s in der Uni Klinik anzubieten.
  • in Erfahrung bringen, ob die Ressourcenausstattung zur Aufgabe passt, statt Erholungsinseln und inhouse Massagetermine einzurichten.
  • ihr Augenmerk darauf richten, ob und wie geführt wird, bevor Coaching & Teamentwicklung beauftragt werden.
  • zuerst Energie in eine wirksame Strategie- und Kulturentwicklung stecken, statt am Symptom orientierte Schulungen a la „Wie baue ich meinen beruflichen Stress ab“ anzubieten.

Ich finde es nicht verantwortlich, wenn das wichtige Thema „burn out“ allein auf einer individualpsychologischen Ebene „abgehandelt“ wird. So würden Themen, die vor allem die Organisation auslöst und verantwortet an die einzelnen Personen „wegdelegiert“, und nicht auf die Suche gegangen, ob das Unternehmen selbst erschöpft oder ausgebrannt ist.

Wie eingangs schon gesagt: Jedem Einzelnen, der/ die von der Erkrankung „burn out“ betroffen ist, muss durch professionelle Begleitung geholfen werden. Wenn aber im gleichen Moment nicht auch auf die Organisation, die Struktur, die Strategie, die Führung, die Anreize, die Ressourcenausstattung etc. geschaut wird, ist das schlechte Unternehmensführung!

Die Frage lautet also auch:
Wie nah ist das Unternehmen am burn out?

P.S.: Ich bleibe im Thema weiter auf der Suche und habe deswegen eine kurze Umfrage gestartet. Bitte nehmen sie teil…

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